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AWO Kinder- und Jugendpolitik:

Kitaexpansion trotz Fachkräftemangel

Interview mit Benjamin Walch, Geschäftsbereichsleitung Kinder- und Jugendpolitik beim AWO Kreisverband Wesel.

Träger von Kindertageseinrichtungen sind aktuell gefragte Gesprächspartner für Kommunen. Woran liegt das?

Es gibt eine sehr, sehr große Nachfrage nach Kita-Plätzen, sowohl für Kinder über als auch unter drei Jahren. Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Platz für ihr Kind, die Jugendämter müssen reagieren. Wir als AWO sperren uns nicht, wenn Kommunen auf uns zukommen, um zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen.

Wie viele Einrichtungen unterhält die AWO zurzeit?

Wir haben nun 23 Kindertagesstätten, davon sind zwölf Familienzentren und acht Plus-Kitas. Die jüngste Einrichtung wurde zu Beginn des Jahres 2019 in Betrieb genommen, es ist die Kita am Quadenweg in Wesel.

Ist der Fachkräftemangel auch bei Erzieher*innen angekommen?

Auf jeden Fall. Kita-Plätze sind stark nachgefragt, die personelle Entwicklung hinkt hinterher. Für mich ein Versäumnis der Politik: einerseits die Plätze auszubauen und andererseits wenig dafür zu tun, dass die Ausbildung inhaltlich qualitativ gesichert ist, die tatsächliche Attraktivität des Berufs transportiert wird und so auch Nachwuchs kommt. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Benjamin Walch

Was bedeutet das für einen Träger wie die AWO?

Wir haben einen sehr guten Bildungsplan in NRW, die Bildungsgrundsätze, für die Arbeit mit Kindern von null bis zehn Jahren, mit Inhalten, die die Haltung wiedergeben, die wir in unseren Kitas haben wollen. Es werden Bildungsbereiche beschrieben, die wirklich Sinn machen. Nur: Um dies umzusetzen, brauchen wir Möglichkeiten, und dazu gehört qualifiziertes Personal. Die Situation auf dem Fachkräftemarkt hat sich schon länger abgezeichnet, aber erst jetzt wird langsam gehandelt. Laut Nationalem Bildungsbericht fehlen bundesweit bis zum Jahr 2025 mehr als 300.000 Erzieher*innen.

Warum gilt der Beruf des*r Erziehers*in als nicht attraktiv?

Aus verschiedenen Gründen. Das Bild in der Öffentlichkeit entspricht selten der Realität. Es handelt sich um anspruchsvolle Bildungsarbeit, doch mit dem Beruf verbinden viele Menschen lediglich Spielen und Aufbewahren. Es kommt vor, dass die Mitarbeiter*innen von Eltern zu hören bekommen, dass sie jetzt viel lieber in der Kita spielen würden als ins Büro zu gehen. Des Weiteren ist die Bezahlung zu nennen. Pädagog*innen im Elementarbereich gehören sicher nicht zu den Geringverdienern, aber es ist nicht zu verstehen warum auf der einen Seite eine große Verantwortung in den Bereichen Bildung, Dokumentation und Beratung gesetzlich gefordert wird und auf der anderen Seite die Differenz zu den Gehältern von Grundschullehrer*innen so enorm ist. Die Inhalte unterscheiden sich zwar, aber die Wichtigkeit ist mindestens die gleiche. Die Wertschätzung für diesen wichtigen Beruf muss in verschiedenen Bereichen viel deutlicher werden.

Benjamin Walch

Was muss noch verändert werden, um junge Menschen zu interessieren?

Wenn jede*r Azubi gleich von Beginn an eine Vergütung bekommen würde, würden sich sicherlich mehr junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. Aber wenn Schüler*innen sehen, dass es in einer Lehre in anderen Branchen vom ersten Tag an Geld gibt, sie aber in der Erzieher*innen-Ausbildung zunächst zwei Jahre zur Schule gehen müssen, ohne einen Cent zu sehen, dann überlegen sie zwei Mal, welchen Beruf sie ergreifen.

Wie sieht die Situation nach der Ausbildung aus?

In erster Linie gut, weil durch den Fachkräftemangel der Bedarf an Mitarbeiter*innen bei den Trägern enorm groß ist. Aber leider haben wir eine sehr hohe Aussteiger*innenquote, Leute gehen, weil sie sich anders orientieren. Es muss dringend überlegt werden, wie Arbeit attraktiver gestaltet werden kann. Das können wir natürlich nicht alleine, dafür brauchen wir die Politik – für bessere Personalschlüssel, für bessere öffentliche Anerkennung, für bessere finanzielle und materielle Ausstattung.

Ein Blick nach vorn: Wie sieht die Zukunft der Kitas aus?

Zurzeit ist die Nachfrage nach Kitaplätzen sehr groß. Das wird sich aber auch wieder ändern. Und spätestens dann muss ein Träger Alleinstellungsmerkmale haben, um am Markt bestehen und mit anderen Anbietern konkurrieren zu können. Ein guter Ruf, gute Bildungsangebote im frühkindlichen Bereich sind zum Beispiel solche Alleinstellungsmerkmale. Wenn der Bedarf nicht mehr so hoch ist, wird die Qualität der Dienstleistung bei der Wahl der Kita entscheidend sein.

INFO: Der AWO Kreisverband Wesel unterhält 23 Kindertagesstätten, davon sind zwölf Familienzentren und acht Plus-Kitas. Die jüngste Einrichtung wurde zu Beginn des Jahres 2019 in Betrieb genommen, es ist die Kita am Quadenweg in Wesel. im Bereich Ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen zur Erziehung bietet die AWO zudem ein breites Spektrum an Beratungs- und Betreuungsangeboten im Kreis Wesel.

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