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AWO-Sachbereich Flucht, Migration, Integration:

Fachsprache Deutsch für angehende Pflegekräfte

Wenn Menschen mit Migrationshintergrund einen Arbeitsplatz suchen, ist die Sprache ein wichtiger Aspekt. Olga Weinknecht, Leiterin des Bereichs Flucht, Migration, Integration, und die pädagogische Mitarbeiterin Dominika Lubos erklären, worum es bei „Fachsprache Deutsch in der Altenpflege“ geht.

Olga Weinknecht

Deutsch in der Altenpflege – ein umständlicher Begriff. Was verbirgt sich dahinter?

Es handelt sich um einen Sprachkurs für Menschen mit Migrationshintergrund, die im Pflegebereich arbeiten möchten. Manche bringen bereits eine Ausbildung mit, die sie in ihrer Heimat absolviert haben. Andere interessieren sich für eine Ausbildung in der Pflege. Allen gemeinsam ist, dass sie die Sprache und vor allem auch die Fachsprache nicht oder nur unzureichend beherrschen.

Muss jemand, der in der Pflege arbeitet, auch sprachlich fit sein? Reicht es nicht, wenn er oder sie den Job beherrschen?

Pflege ist auch Kommunikation. Mit den Patient*innen natürlich, aber auch mit den Kolleg*innen. In manchen Situationen muss schnell etwas passieren. Wenn dann Anweisungen oder Bitten erst nach Nachfrage verstanden werden, ist das keine gute Lösung. Ganz abgesehen davon, dass im Pflegebereich alles dokumentiert, also schriftlich festgehalten werden muss. Zum Beispiel bei der Übergabe an die nächste Schicht. Die Dokumentation ist die größte Herausforderung für unsere Teilnehmer*innen. Sie haben zwar Sprachkurse absolviert, beherrschen aber die Fachsprache nicht.

Dominika Lubos

Wie entstand die Idee zu diesem Kurs?

Der Bundesverband der AWO hat ein Curriculum zum Thema Fachsprache Deutsch in der Altenpflege erstellt. Die Ressourcen wollten wir vor Ort nutzen, an anderen Stellen war das Projekt bereits ein Erfolg. Immer wieder ist vom Fachkräftemangel in der Pflege zu lesen. In der Beratung für Menschen mit Migrationshintergrund versuchen wir natürlich, berufliche Perspektiven zu finden. Es ist für die Menschen, die sich integrieren möchten, schwierig, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Deshalb war unser Ansatz, im eigenen Haus solche Perspektiven zu bieten.

Wie werden die Teilnehmer*innen ausgesucht?

Wir sprechen die Menschen gezielt an. Es sind welche dabei, die bereits Vorkenntnisse haben, die in ihrem Herkunftsland in diesem Bereich bereits gearbeitet haben. Andere wiederum interessieren sich für die Pflege und sehen hier eine Chance, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Bei der Auswahl und Betreuung arbeiten die Bereiche Bildung und Beratung eng zusammen.

Wie ist der Kurs aufgebaut?

Er dauert ein Jahr und ist in drei Module unterteilt: Kommunikation und Pflege, um sich mit Kolleg*innen und Patient*innen besser verständigen zu können, alles rund um den menschlichen Körper, also Krankheitsbilder und Fachbegriffe, und zum Schluss geht es um das Gesundheitssystem.

Zwischen den Modulen liegen verschiedene Praktika, entweder in unseren Einrichtungen oder bei anderen Trägern. Anfangs geht es zunächst darum, alle auf ein Sprachniveau zu bringen. Und natürlich lassen wir die Teilnehmer*innen nicht allein bei dem, was sonst noch ansteht. So gibt es unter anderem ein Bewerbungscoaching.

Wie viele Kurse gibt es?

In Moers läuft gerade der zweite Kurs, in Dinslaken gibt es einen weiteren Kurs. Finanziert wird das Projekt durch den Europäischen Sozialfonds. Für jedes Jahr muss erneut die Förderung beantragt werden.

Können Sie Erfolge vermelden?

Ja. Zum Beispiel diesen: Eine Frau aus Tadschikistan, allein erziehende Mutter von zwei Kindern, war im ersten Kurs, zurzeit macht sie ein dreimonatiges Praktikum im Seniorenzentrum Johannes-Rau-Haus in Moers und wird dort im August ihre Ausbildung beginnen.

Gibt es Teilnehmer*innen, die vorzeitig aussteigen?

Im aktuellen Kurs in Moers haben zwei Teilnehmer*innen nach dem ersten Praktikum gesagt, dass der Beruf nichts für sie ist. Praktika sind schließlich auch zur Orientierung gedacht. Und wir haben gerade im Flüchtlingsbereich mit jüngeren Menschen zu tun, die sich wie junge Menschen überall auf der Welt in einer Findungsphase befinden, viele Vorstellungen haben, aber nicht genau wissen, was sie werden möchten.

Zum Sachbereich Flucht, Migration, Integration:

Die AWO bietet vielfältige Dienste im Bereich Flucht, Migration und Integration im Kreis Wesel an. Unsere Flüchtlingsberater*innen sind in Moers, Wesel, Rheinberg und Kamp-Lintfort an mehreren Standorten tätig, darüber hinaus bieten sie ihre Beratungen in Flüchtlingsunterkünften und öffentlichen Räumen an. Ihre Beratungen erstrecken sich auf alle Lebensbereiche der Geflüchteten, angefangen mit rechtlichen Fragen bis zu Fragen medizinischer Versorgung, Bildung, Kinderbetreuung, Freizeitgestaltung u.v.m.. Die AWO-Verfahrensberatung leistet eine unabhängige rechtliche Unterstützung für alle Bewohner*innen der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Rheinberg-Orsoy. Für Migrant*innen mit auf Dauer angelegtem Aufenthalt in Deutschland ist die Migrationsberatung für Erwachsene der AWO in Dinslaken und Moers eine wichtige Anlaufstelle.

Kompetente psychosoziale Beratungen erhalten Geflüchtete im Psychosozialen Zentrum Niederrhein, das seinen Sitz in Moers hat. Das internationale Zentrum der AWO in Moers-Repelen öffnet täglich seine Türen für interkulturelle Begegnungen sowie Bildungs- und Freizeitangebote für alle Menschen, die soziale Kontakte suchen oder Neues lernen möchten.

Die Integrationsagenturen in Moers und Kamp-Lintfort erarbeiten integrative Projekte und Maßnahmen, die zur interkulturellen Öffnung der Gesellschaft beitragen und bürgerschaftliches Engagement fördern. Um auf Bedarfslagen vor Ort zu reagieren und Lösungen anzubieten, werden verschiedene Projekte für Zuwander*innen umgesetzt, wie z.B. das Projekt „Recolour your life“ für geflüchtete Frauen in Moers, Bewerbungscoaching für Geflüchtete oder muttersprachliche BASIS-Kurse zur Orientierung in der deutschen Gesellschaft sowie Förderprojekte für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche. Dabei finanziert die AWO Gemeinschaftsstiftung Sprachmittler*innen und Kinderbetreuer*innen für zahlreiche Integrationsmaßnahmen in diesem Bereich.



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Olga Weinknecht

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